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von Bernd Bechtel und Wilfried Falck
Stellung der Friedensbewegung in der Gesellschaft - Problembeschreibung am Beispiel von Rostock
Der vergangene Ostermarsch hatte – wie bereits in den vergangenen Jahren – nur geringen Zulauf. Angesichts der in den letzten Jahren deutlich gestiegenen Kriegsgefahr ist dies rational kaum nachzuvollziehen. Für Menschen, die sich in der Friedensbewegung engagieren, ist diese Situation nicht nur enttäuschend, sondern auch schwer verständlich: Warum misst ein so großer Teil der Gesellschaft dem Thema Frieden offenbar so wenig Bedeutung bei?
Bevor auf die strukturellen Ursachen eingegangen wird, sollen zunächst einige konkrete Erfahrungen aus der praktischen Friedensarbeit geschildert werden – insbesondere aus Rostock und exemplarisch aus Dresden.
Zersplitterung statt Mobilisierung
Auch in Rostock ist es zu einer weiteren Zersplitterung der ohnehin schwachen Friedensbewegung gekommen. Diese Entwicklung spiegelt die tiefe gesellschaftliche Polarisierung wider, die inzwischen nahezu alle politischen und sozialen Bereiche durchzieht. Die bestehende Friedensbewegung stagniert seit Jahren und konnte nur wenige Menschen dauerhaft aktivieren.
Aus unserer Sicht liegt dies auch an einem stark sektiererischen Vorgehen einzelner Akteure, die – im Besitz der vermeintlich alleingültigen Wahrheit – darüber entscheiden wollen, wer „für den Frieden“ sein darf und wer nicht. Dass unter den Bann dieser Abgrenzung unter anderem auch Persönlichkeiten wie Eugen Drewermann oder Plattformen wie die NachDenkSeiten fielen, zeigt, wie eng der Meinungskorridor mittlerweile geworden ist.
Der Begriff „Frieden“ selbst ist in großen Teilen des politischen und medialen Raums inzwischen verdächtig. Parteien – auch linke Parteien –, Gewerkschaften und andere Organisationen meiden häufig jeden Kontakt zur Friedensbewegung und begründen dies mit der angeblichen Gefahr rechter Einflussnahme.
Rostock: Kontaktschuld statt Debatte
In Rostock hat sich dennoch eine lose Verbindung verschiedener Gruppen unter dem Dach des Friedensbündnisses Norddeutschland gebildet. Dazu gehören Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv für Frieden einsetzen wollen, Christen, Mitglieder und ehemalige Mitglieder der Partei Die Linke sowie Mitglieder und Sympathisanten des BSW. Als Organisation unterstützt allerdings lediglich das BSW die Arbeit des Bündnisses. Parteien wie AfD oder dieBasis spielen in der praktischen Friedensarbeit keine wahrnehmbare Rolle.
Genau dies wird jedoch von interessierter Seite immer wieder anders dargestellt und gezielt unterstellt. Die Wirkung dieser Verleumdungen ist erheblich: keine Unterstützung des Ostermarsches durch DGB oder Die Linke, keine Genehmigung für einen Stand zum 1. Mai, weitgehende Informationssperre in den lokalen Medien. Die Angst vor Kontaktschuld scheint größer zu sein als das Interesse an Wahrheit – ein Zustand, der das demokratische und gesellschaftliche Klima nachhaltig beschädigt. Diese Entwicklung verdeutlicht ein zentrales Dilemma der Friedensbewegung: Der Wunsch nach ideologischer Reinheit steht zunehmend im Widerspruch zum Anspruch, gesellschaftliche Breite zu erreichen.
Gemeinsame Sorgen, getrennte Wege
Inhaltlich ähnelten sich viele Forderungen der unterschiedlichen Demonstrationen. Kritisiert wurden die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft, die Wiedereinführung von Wehrdienststrukturen, steigende Rüstungsausgaben sowie die politische Fixierung auf militärische statt diplomatische Lösungsansätze. Auch die Sorge, dass soziale Bereiche wie Bildung, Gesundheit und öffentliche Daseinsvorsorge unter der Hochrüstung leiden werden, war vielfach präsent.
Ursachen der aktuellen Schwäche der Friedensbewegung
Die beschriebenen Erfahrungen lassen sich nicht allein lokal erklären. Sie sind Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung:
- Friedensarbeit wird zunehmend als naiv, realitätsfern oder – im Extrem – als fremdgesteuert diffamiert.
- Leitmedien propagieren weitgehend unisono eine Politik der „Kriegstüchtigkeit“ und marginalisieren abweichende Perspektiven.
- Die Bevölkerung wird schrittweise an die Vorstellung eines unvermeidbaren Krieges – insbesondere mit Russland – gewöhnt.
- Repressionen gegen kriegskritische Stimmen nehmen zu und wirken abschreckend weit über die unmittelbaren Betroffenen hinaus.
- Opportunismus und vorauseilender Gehorsam prägen Medien, Verwaltungen und Bildungseinrichtungen.
- Apathie und geringe politische Informiertheit bestimmen große Teile der Bevölkerung.
- Die sozialen Folgen der massiven Aufrüstung werden öffentlich kaum thematisiert.
- Es fehlt an einer relevanten politischen Kraft, die dem militärischen Konsens sichtbar und konsequent widerspricht.
Ein Hoffnungsschimmer: Die Jugend und die Wehrpflicht
Ein kleiner, aber wichtiger Lichtblick für die Friedensbewegung ist die deutliche Weigerung eines großen Teils der jungen Generation, sich einer erneuten Wehrpflicht zu unterwerfen. Insbesondere unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Bereitschaft gering, militärische Logiken zu akzeptieren oder persönliche Lebensentwürfe einem Kriegsdienst unterzuordnen.
Perspektive
Trotz aller Spaltungstendenzen gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen Menschen, die diese Entwicklung kritisch hinterfragen und bereit sind, aktiv zu werden. Sie zu finden, zu ermutigen und zu vernetzen, ist die zentrale Aufgabe der Friedensbewegung. Ob es gelingt, wieder zu einer gemeinsamen, pluralen, aber handlungsfähigen Bewegung zu kommen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Ohne Dialogbereitschaft, ohne soziale Verankerung und ohne den Mut zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung wird Frieden politisch nicht durchsetzbar sein.
Rostock/Dresden 21.04.2026
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Der US-amerikanische Journalist und Pulitzer-Preisträger Chris Hedges legt mit „Eine angekündigte Katastrophe“ eine umfassende Dokumentation der jüngsten Ereignisse im Gazastreifen und im Westjordanland vor. Auf Grundlage zahlreicher Augenzeugenberichte und eigener Erfahrungen als langjähriger Kriegsberichterstatter in der Region zeichnet Hedges ein präzises Bild der israelischen Militärpolitik und ihrer Auswirkungen auf die palästinensische Bevölkerung. Ob und was sich für diese nach dem Trump’schen Friedensplan vom Oktober 2025 geändert hat, ist Gegenstand eines eigenen Kapitels.
Das Buch beschreibt den Völkermord in Gaza, die Zerstörung ziviler Infrastruktur, die katastrophale humanitäre Lage in den besetzten Gebieten sowie die politischen und historischen Hintergründe des Konflikts. Es stellt die Ereignisse seit dem 7. Oktober 2023 in den größeren Kontext einer jahrzehntelangen Besatzungspolitik, die durch Landenteignungen, Siedlungsbau, Ausgangssperren und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit geprägt ist.
Hedges bezieht sich auf zahlreiche Gespräche mit palästinensischen SchriftstellerInnen, ÄrztInnen, LehrerInnen und Familien, die den Alltag unter der Besatzung schildern. Ergänzt werden diese Berichte durch Analysen internationaler Organisationen, Menschenrechtsbeobachtungen und politische Einordnungen, die die strukturelle Dimension der zionistischen Gewalt verdeutlichen. Der Autor untersucht außerdem die Rolle westlicher Regierungen und Medien bei der öffentlichen Wahrnehmung des Konflikts. Das Buch endet mit einem „Brief an die Kinder von Gaza“, der als moralischer Appell an die Verantwortung der Leserinnen und Leser formuliert ist.
Der Autor: Chris Hedges, geboren 1956 in St. Johnsbury (Vermont/USA), war langjähriger Auslandskorrespondent der New York Times und berichtete als Kriegsberichterstatter aus dem Nahen und Mittleren Osten, davon sieben Jahre lang aus dem besetzten Palästina. 2002 erhielt er den Pulitzerpreis. Aktuell erscheinen seine Artikel auf der Webseite „The Chris Hedges Report“. ISBN: 978-3-85371-558-1. Promedia 2026. 200 S. 14,8 x 21. brosch.
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Der 18. Dezember ist Tag X. – Da der Streit um den Raub der in der EU eingefrorenen russischen Vermögenswerte im Dezember die Schlagzeilen beherrschen wird, will ich hier die Chronologie des Streits aufzeigen, denn die liest sich wirklich wie ein Thriller.
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Michael von der Schulenburg stellt hiermit eine Broschüre online (kostenlos zum Download), die er anlässlich des 80. Jahrestags des Inkrafttretens der UN-Charta am 24. Oktober 2025 veröffentlicht hat, Titel: „Nie wieder Krieg! – Die Charta der Vereinten Nationen“.
In seiner langjährigen Arbeit als UN-Diplomat – in Konfliktregionen von Haiti über Iran und Irak bis nach Sierra Leone und Afghanistan – war die Charta der Vereinten Nationen für ihn stets die Grundlage, um Frieden zu schaffen. Heute, als EU-Abgeordneter (BSW), sieht er ihre Bedeutung dringlicher denn je: Gerade in Zeiten von Aufrüstung, Kriegstreiberei und nuklearer Bedrohung brauchen wir sie als verbindliches Fundament für eine weltweite Friedensordnung.
Die Broschüre versammelt sechs Beiträge, in denen u. a. die Eskalation der Kriege in der Ukraine und im Iran analysiert wird, Wege zu einer multipolaren Friedensordnung skizziert werden und darlegt wird, welche Risiken aus Deutschlands ambivalentem Verhältnis zur UN-Charta entstehen.
Jede/r kann dieses Büchlein als E-Book und als PDF auf Deutsch und Englisch kostenlos von der Webseite des Europäischen Parlaments unter www.bsw-ep.eu herunterladen.
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„Konfrontation im Baltikum droht in einen offenen Konflikt zu münden“ Russischer Politologe Igor Schukowski
(Leseempfehlung in den Nachdenkseiten (https://www.nachdenkseiten.de/?p=139753)
"NATO-Mitgliedstaaten begannen, Schiffe aufzuhalten, die russische Häfen ansteuerten, und es wird immer häufiger über die Schließung der dänischen Meerenge gesprochen – das Tor zur Ostsee. Vor nicht allzu langer Zeit galt die Region jedoch als Modell der Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU.
In einem Interview mit dem Portal Lenta.ru erklärt der russische Politologe und Experte für die Ostseeregion Igor Schukowski, warum die Ostsee zur Konfliktzone wurde und ob sich die Region zu einem Schauplatz eines Krieges zwischen Russland und der NATO entwickeln könnte. Aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli."
🔹DIE OSTSEE SOLL EIN MEER DES FRIEDENS SEIN!
🔹DIPLOMATIE & ENTSPANNUNG
🔹„Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein und werden, im Innern und nach außen.“ (Willy Brandt, 28. Oktober 1969)
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