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Stellungnahme der Initiative „Mut zum Frieden“ Bremerhaven zum Antrag „Sicherheits- und friedenspolitische Bildung an Bremerhavener Schulen stärken“
In diesem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung fordern die Fraktionen der SPD, der CDU und der FDP, dass „Schulen in Bremerhaven verpflichtend sicherheits- und friedenspolitische Bildungsangebote anbieten bzw. bei Anfragen der Bundeswehr und / oder Friedensorganisationen durchführen.“
Was ist denn da los? Trauen die Stadtverordneten den Lehrkräften in Bremerhaven auf einmal nicht mehr zu, in ihrem Unterricht angemessen auf die weltpolitische Aktualität einzugehen? Müssen sie dazu von der Stadtverordnetenversammlung extra aufgefordert und gezwungen werden? Offenbar sind die Lehrkräfte aber sehr wohl selbst in der Lage, Schüler-innen zu befähigen, „Zusammenhänge zu verstehen und sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden“ und bitten selten Dritte, den Unterricht zu übernehmen. Zu selten, finden die Antragsteller, insbesondere mit Blick auf die Bundeswehr. Und darum geht es! In Zeiten steigender Kriegsdienstverweigerung möchte man dringend mehr Kriegsfähigkeit herstellen und bereits in der Schule damit anfangen.
Die Bundesbildungsministerin forderte schon 2024, Schulen sollten Kinder auf einen möglichen Kriegsfall vorbereiten, Zivilschutzübungen einführen und ein „unverkrampftes Verhältnis zur Bundeswehr“ entwickeln; Hochschulen müssten sich zudem für Militärforschung öffnen. CDU-Chef Friedrich Merz verlangte, die Bundeswehr müsse einen „ungehinderten Zugang“ zu Schulen haben und Zivilklauseln, in denen Hochschulen sich auf eine Forschung ausschließlich für friedliche und zivile Zwecke verpflichten, müssten verboten werden.
Für die Bundeswehr ist die Schule ein idealer Ort, um für ihren Standpunkt zu werben: sie muss noch nicht einmal ihr junges „Publikum“ um Gehör bitten, schließlich herrscht Schulpflicht. Keine zivile Branche bekommt eine solche Bühne für Nachwuchswerbung. Und über die Schüler-innen lässt sich die Bundeswehr-Werbung auch in die Familien tragen.
Aber natürlich kann man nicht so einfach die Schulen vergattern, der Bundeswehr die Klassenzimmer zu öffnen, ohne wenigstens ein Mäntelchen von Ausgewogenheit zu wahren. So sollen auch vage umschriebene „Friedenorganisationen“ eingeladen werden können. Abgesehen davon, dass offen bleibt, wer denn davon "ein anerkannter Bildungsträger" wäre, ist aber ja bekannt, dass sich in Friedensinitiativen (wie z.B. unserer) ausschließlich Ehrenamtliche in ihrer Freizeit engagieren, während die Bundeswehr jederzeit eigens für diesen Zweck geschulte und staatlich bezahlte Jugendoffiziere entsenden kann.
Oder ist an unabhängige Institute (wie SIPRI) gedacht? Welche Schule hätte denn das Honorar, um solche Referenten einzuladen? Nein, wirkliche Ausgewogenheit wäre erst dann gegeben, wenn der Besuch eines Jugendoffiziers an die Bedingung geknüpft wäre, dass fairerweise auch die Gegenseite in gleichen Rahmen und Umfang zu Wort käme... Oder man hält Werbung und Propaganda aus der Schule heraus!
Vor allem ist aber die Einmischung eines Stadtparlaments in die Inhalte von Unterricht schon an sich ein unerhörter Vorgang in einer Demokratie, eine Bevormundung der verantwortlichen Lehrkräfte, ein Eingriff in ihre fachliche und erzieherische Kompetenz und letztlich nichts anderes als eine Misstrauenserklärung gegenüber dieser Gruppe. Ein Bildungsdezernent, noch dazu mit einem Parteibuch, in dem die Freiheit großgeschrieben wird, müsste sich an dieser Stelle vor seine Lehrkräfte stellen und sie vor solchen Übergriffen schützen. Was würde Prof. Hilz dazu sagen, wenn das Stadtparlament ihn verpflichtete, bestimmte Dritte in seine Vorlesung einzuladen?
Natürlich dürfen an unseren Schulen die Lehrer-innen nicht unterrichten, was und wie es ihnen beliebt! Grundlage der Lehre an den Schulen ist die Bremer Landesverfassung, der diese Frage wichtig genug war, um in Artikel 26 ganz konkret zu formulieren: "Die Erziehung und Bildung der Jugend hat im wesentlichen folgende Aufgaben: 1. Die Erziehung zu einer Gemeinschaftsgesinnung, die auf der Achtung vor der Würde jedes Menschen und auf dem Willen zu sozialer Gerechtigkeit und politischer Verantwortung beruht, zur Sachlichkeit und Duldsamkeit gegenüber den Meinungen anderer führt und zur friedlichen Zusammenarbeit mit anderen."
Friedenserziehung ist somit unmissverständlich Erziehung zur Völkerverständigung und nicht zur Kriegstüchtigkeit. Steht die STVV noch auf dem Boden der Bremer Landesverfassung?
Als Stadtverordnete sind Sie nur Ihrem Gewissen verpflichtet. Wir, die Initiative „Mut zum Frieden“ Bremerhaven, bitten Sie: Stimmen Sie gegen diesen Antrag!
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Mitteilung zu wichtigem Teilerfolg einer Popularklage gegen das Bundeswehrfördergesetz vor dem bayerischen Verfassungsgerichtshof
Als Mitkläger gegen das bayerische Bundeswehrfördergesetz möchte ich mit dieser Mail auf ein Urteil des bayerischen Verfassungsgerichtshof vom 3.03.2026 (Az. Vf. 3-VII-25) hinweisen. Dieses Urteil erging aufgrund einer Popularklage von 200 Kläger:innen gegen die per Gesetz verordnete Kooperation von Schulen, Universitäten/Hochschulen, inklusive Forschungsbereichen mit der Bundeswehr. ...
Nun haben die Kläger:innen mit diesem Urteil des bayerischen Verfassungsgerichtshofs einen wichtigen Teilerfolg errungen. Immerhin ist ein zentraler Aspekt des angegriffenen Gesetzes zur Förderung der Bundeswehr in Bayern vom 23. Juli 2024 für verfassungwidrig erklärt worden: nämlich die gesetzlich angeordnete Pflicht zur ungehinderten Zusammenarbeit von Hochschulen (mitsamt ihren Forschungsbereichen) mit der Bundeswehr im Interesse der "nationalen Sicherheit". Diese Regelung verstoße gravierend gegen das Rechtsstaatsprinzip, urteilte das Gericht, und so auch gegen die Wissenschaftsfreiheit, also die Freiheit von Forschung und Lehre. Dagegen sind andere Klagepunkte gegen problematische Regelungen des Gesetzes leider als unbegründet zurückgewiesen worden: so etwa die Regelung zur Zusammenarbeit von Schulen mit Jugendoffizieren der Bundeswehr im Rahmen der politischen Bildung und selbst zur Zulassung von Karriereberatern der Bundeswehr in schulischen Veranstaltungen.
Weitere Informationen und Einschätzungen sind aus der Pressemitteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gleich hier im Anschluss zu ersehen. Die GEW Bayern hatte die Popularklage 2025 initiiert, die von einem breiten Bündnis aus Wissenschaft, Gewerkschaften und Friedensorganisationen getragen wird.
(Rolf Gössner)
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Sabine Broeck, Professorin an der Uni Bremen, hat den folgenden Brief an die Uni-Leitung in Bremen (Rektorin Prof. Dr. Günther) geschrieben nach Bekanntwerden des Verbots einer Veranstaltung am 28. Juni 2025 mit der bekannten Psychanalytikerin Iris Hefets aus Berlin, eine der Gründerinnen und Vorstandsmitglied der "Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost". (Die Veranstaltung fand an einem anderen Ort statt. Hier das Video dazu)
Rektorat, Frau Prof. Dr. Günther Universität Bremen
Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Günther,
mit größter Bestürzung, mit noch größerem Unverständnis und unfassbarer innerer Verzweiflung habe ich heute von dem Ihrerseits ausgesprochenen Verbot der Raumnutzung für eine Veranstaltung mit der Psychoanalytikerin Iris Hefets erfahren.
Wie Sie leicht aus einschlägigen Quellen erfahren können, ist Frau Hefets, eine jüdische israelische Therapeutin, eine in dem internationalen Berufstand der PsychoanalytikerInnen sehr angesehene Spezialistin für Traumaforschung und Holocaust-Erinnerung. Sie ist in verschiedenen Foren öffentlich aufgetreten und hat wissenschaftlich sowie auch für das deutsche Feuilleton publiziert, nur zum Beispiel in der Berliner Zeitung, in einem Essay im Jahr 2021. Sie gehört ebenfalls dem Verein Jüdische Stimme für den Frieden in Nahost an, einer demokratisch arbeitenden Gruppierung, die für ihre Arbeit 2019 den Göttinger
Friedenspreis erhielt.
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„Mit der Einführung des Bologna-Prozesses hat die Unterwerfung der Unis begonnen. Wissenschaft dient heute in erster Linie der Legitimierung von Politik. Durch den schulischen Aufbau interessieren sich Studenten sich vor allem für Regelwerk und Noten – Neugierde und Debattenlust bleiben auf der Strecke.“


















