"Die Bundeswehr macht Kiel zum zentralen Forschungs- und Entwicklungsstandort für maritime Technologien. Diese Entscheidung hat Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Mittwoch bekannt gegeben. ...Der Minister bezeichnete Kiel als wichtigen Standort für die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: „Wir werden die Nähe zur Deutschen Marine, zu etablierten Forschungseinrichtungen und das ausgeprägte Innovationsökosystem vor Ort nutzen.“ (Kieler Nachrichten vom 21.05.2026, S. 1) - Geplant sei eine Zusammenarbeit des neuen Zentrums mit dem im September 2025 gegründeten Netzwerk „Tech Hub SVI Nord“. So soll die Bundeswehr von Produkten und Technologien aus der Wirtschaft profitieren, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sein können. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach von einer „herausragend guten Botschaft für Schleswig-Holstein und für den maritimen Standort Deutschland“. Die Forschungsinfrastruktur rund um Kiel reiche von der Wehrtechnischen Dienststelle WTD 71 in Eckernförde über das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, die Universität und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften bis hin zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, sagt Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU). Ergänzt werde dieses „technologische Ökosystem“ durch die größte Ansammlung maritimer Unternehmen in Deutschland. Im April war bekannt geworden, dass die Eurobotics-Gruppe mit Sitz in München am Flughafen Holtenau einen neuen Standort aufbaut. Geplant ist die Produktion einer neuartigen Unterwasserdrohne mit großer Reichweite. Die veränderte Bedrohungslage drückt auch dem Arbeitsmarkt in Kiel ihren Stempel auf: Allein in den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Industriearbeitsplätze im militärischen Sektor um rund 2000 auf fast 7000 gestiegen.
Mit dem Rückkauf von Holtenau-Ost und der Erweiterung des Stützpunktes Wik plant die Bundeswehr eine massive Flächenausdehnung an der Förde. Damit knüpft Kiel an alte Marinetraditionen an: 1871 erhielt der Hafen in Kiel die Bezeichnung „Reichskriegshafen“. Die Kieler Woche hat ihren Ursprung in kaiserlichen Kriegsvorbereitungs-Übungen. Heute:
- Die Einsatzflottille 1 und der Marinestützpunkt EF1 (Kiel-Wik) ist einer der drei Großverbände der Deutschen Marine. Zu ihr gehören Korvetten, U-Boote, Flottendienstboote und Minenjagdboote (genauso wie das Seebataillon in Eckernförde und das Kommando Spezialkräfte der Marine.
- Nördlich der beiden Großwerften TKMS und GNYK: Die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung
- Weiter nördlich (zwischen Heikendorf und Laboe) befindet sich ein riesiges Marine-Munitionsdepot,, welches jetzt für 650 Mio Euro umfassend "ertüchtigt"werden soll. Für das Projekt sollen laut UVP-Bericht 8,3 Hektar Wald und 8257 Quadratmeter Gehölz gerodet werden. Für den Ausbau des Depots – 25 Bunker sollen abgerissen, 29 neu errichtet werden – sollen 142.318 Kubikmeter Boden bewegt werden Die neuen Bunker sollen den Anforderungen moderner Munitionstypen genügen. Außerdem finden sich dort Werkstätten für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten. Die Anlage gehört zu den geheimsten Kasernen der Bundeswehr, wie die Kieler Nachrichten öffentlich berichten!?
- Im April 2026 wurde bekannt, dass sich die Bundesmarine das ehemalige Gelände des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG-5) nördlich der Holtenauer Schleuse zurückholt. Alle in den letzen Jahrzehnten entwickelten zivile Nutzungen (Sportboothäfen, Wohnen am Wasser usw.) um das sog. Plüschowbecken müssen nun verschwinden. Der Unmut in Kiel ist riesig. In der TAZ vom 16.04.2026 standen folgende Sätze: "...ein Kieler bei der Infoveranstaltung ...: „Durch Bundeswehr mitten in der Stadt fühle ich mich bedroht – die Bevölkerung wird als Schutzschild missbraucht.“ Den Vorwurf wies Admiral Christian Walter Meyer, Kommandeur der in Kiel stationierten Flottille, zurück und ergänzte: „So schlimm das ist: Heute nimmt keiner mehr Rücksicht auf zivile Ziele, im Gegenteil, sie werden direkt angegriffen.“



















