Emden wird weiter militarisiert - neuer Kriegshafen am "Rysumer Nacken"

Marinehafen Rysumer Nacken EmdenDas Erholungsgebiet "An der Knock", westlich von Emden liegt im Mündungsgebiet der Ems an der Nordsee. Das weitflächige Hinterland - durch Eindeichung dem Meer abgerungen - wird auch "Rysumer Nacken" genannt und war von der Stadt ursprünglich für zivile Projekte vorgehalten. Dort soll aber nun mit einem Milliarden-Betrag vom Bund ("auf Pump", mit Zinsen natürlich) ein gänzlich neuer Kriegshafen der deutschen Marine entstehen, mit Liegeplätzen für sieben Fregatten, zehn Minensuchboote und zehn Schlepper. Das wäre dann der zweite große Marinestützpunkt der Marine an der Nordsee, neben dem in Wilhelmshaven, wo die Einsatzflotille2 ihren Heimathafen hat.

In einem Interview in Leer (NDR Video 16.07.2026) hatte Boris Pistorius erklärt, dass der neue Marinehafen nicht nur für die eigene Marine gebaut würde, sondern auch im Rahmen der "Military Mobility" für die "Durchleitung" anderer Marineverbände der NATO geplant sei. Begründet wird dies mit einer angeblichen "internationalen Bedrohungslage gerade mit Blick auf die Ostsee, aber auch die Nordsee und den Nordatlantik" (Pistorius).

RysumerNackenEmden 2010Eine Fläche von 450 ha (so die Ostfriesen Zeitung), was ca. 630 Fußballfeldern entspricht, soll nun auf dem Rysumer Nacken bebaut werden. 2000 Soldaten und Bedienstete sollen dort stationiert werden, wofür ein großes Kasernengelände mit Versorgungseinrichtungen auf dem Rysumer Nacken entstehen soll. Kriegsminister Pistorius (SPD) gab zusammen mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) olivgrünes Licht für den Kriegshafen direkt vor Ort am Montagmorgen den 5. Oktober 2026. (NDR 6.10.2026) - 5000 m Ufer sollen in Beschlag genommen werden. Auf 1000 m Länge soll eine Kaianlage in den Flussgrund gebohrt werden und eine vorgelagerte Anlegemole wird 100 m in den Fluss gelegt.

Der zivile Hafen in Emden, auch eine NATO-LOGISTIK-DREHSCHEIBE

In Emden gibt es das große VW-Werk, dessen Weiterexistenz - laut VW-Management -gefährdet sein soll. Und Emden ist ein großer internationaler Autoverlader mit Rollon-Rolloff-Rampen, die für schnelle Verladung von schwerem Gerät und Panzer so wichtig sind. Die militär-logistische Bedeutung des Emder Hafens wurde z.B. bei der Bundeswehr-Kriegsübung „Quadriga“ ab Januar 2024 - deutlich, die in die NATO-Kriegsübung „Steadfast Defender 2024 integriert war.

Mit der entsprechenden Hinterlandanbindung in Norddeutschland übte man das dann jährlich. Britische Truppen - und Materialtransporte liefen im Januar 2025 über den Hafen und verursachten anschließend lange Militärkonvois - in Presse und Medien kommentiert - auf deutschen Autobahnen, immer Richtung Osten. - Am 15.01.2026 begann (in Emden) das Manöver „Steadfast Dart 26“, die nächste große NATO-Verlegeübung in Deutschland. Im Seehafen in Emden rollten Dutzende Fahrzeuge einer italienischen Militäreinheit von Bord eines Frachtschiffes. An dem Manöver waren rund 10.000 Soldaten samt Material aus elf Nato-Ländern beteiligt. Es wurden (nicht nur über Emden) über 1.500 Militärfahrzeuge und 17 Marineschiffe nach Deutschland verlegt. Hauptübungsort war diesmal der NATO-Truppenübungsplatz in Bergen in der Lüneburger Heide (siehe NWZ 15.01.2026).

Logistik für die Bundeswehr

"Für den unmittelbar am Hafen gelegenen Industriepark „Frisia“, der kürzlich noch einen Leerstand von 80 Prozent beklagte, hat sich der heimische Logistiker Dirks 90.000 Quadratmeter an Hallenkapazitäten gesichert. „Wir sind beim Thema Instandhaltung schon seit Längerem mit der Bundeswehr im Geschäft“, sagt Geschäftsführer Klaus Lübbers." (Handelsblatt 30.10.2026)

Im Binnenhafen von Emden, hinter der Schleuse, werden Kriegsschiffe gebaut und repariert.

Vier überholungsbedürftige Fregatten der Bundesmarine wurden in der „Emder Werft und Dock GmbH“ (Reparaturbetrieb der Benli Gruppe) wieder „kriegstüchtig“ gemacht. Der Auftrag soll laut Vertrag 2027 abgeschlossen sein. Hauptauftraggeber (Leitung) war dabei der schwedische Rüstungskonzern SAAB. - TKMS (Thyssen Krupp Marine Systems) mit Hauptsitz in Kiel hat auch einen Standort in Emden und baut dort Fregatten und U-Boote.  TKMS konkurriert gerade mit einer französichen Werft um einen Auftrag für drei U-Boote für Argentinien - heikel, weil der aktuelle Präsident Argentiniens Milei die britischen Besitzanspüche auf die Falkland-Inseln in Frage stellt. Die Briten (NATO-Partner) sind "not amused". (Börse-Express 26.10.2026)