Lesermeinung zum Artikel von Markus Peters: „Neues Konzept soll Putin abschrecken“, Weser-Kurier 23.04.2026

Aufrüstung statt Friedensstrategie?

ManfredSteglich aufstehenBremenDie neue Bundeswehr-Militärstrategie stuft Russland als Bedrohung ein. Die Truppe soll zum „Kompass“ werden – stärkste konventionelle Armee Europas mit 460.000 Soldaten insgesamt. Verteidigungsminister Pistorius und der Bremer Bundestagsabgeordnete Thomas Röwekamp begründen das mit angeblichen Kriegsdrohungen aus Moskau. Selbst ein NATO-Einsatz ohne die USA wird erwogen.

Friedenspolitisch ist das ein fatales Zeichen. Der Fokus liegt auf Abschreckung, präzisen Fernangriffen ins „Feindesland“, Drohnen und Cyberfähigkeiten. Solche Planungen machen einen Krieg wahrscheinlicher. Die Rhetorik vom „unvermeidbaren Krieg in Europa“ erfüllt sich selbst, wenn wir nur militärisch denken. Milliarden für Waffen, Raketen und den Hafen-Ausbau in Bremerhaven fehlen für Bildung, Klimaschutz, soziale Dienste und Kitaplätze. Unsere Stadt braucht Investitionen in Infrastruktur und Zukunftschancen, nicht in militärische Vorposten. Besonders krass: Röwekamp forderte kürzlich auf dem i2b-Treffen zur Verteidigungswirtschaft in Bremen, dass Kasernen schneller als Kitas gebaut werden müssten. In solchen Aussagen zeigt sich die Prioritätensetzung der „Zeitenwende“: Militär vor Zivilem, Rüstung vor Familienpolitik.

Sicherheit benötigt Verhandlungen, Rüstungskontrolle und eine Sicherheitsordnung, die alle einbindet – auch Russland. Deutschland als „strategischer Leader“ Europas zu stilisieren schürt Konflikte statt Frieden. Statt geheimer Pläne gegen Russland oder Szenarien einer US-Abwesenheit sollte Diplomatie im Vordergrund stehen. Waffenstillstand, Abrüstung und Vertrauensbildung wirken besser als Aufrüstungswettläufe, die das Eskalationsrisiko nur erhöhen.

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Steglich (Bremen 23.04,2026)