Aktion gegen Wehrpflicht vorm Bundeswehr Karrierecenter (Bericht aus Kiel)

KDV Wie verweigernIn Schleswig-Holstein wird, entgegen der Kommunikation des Verteidigungsministeriums, nicht erst ab Mitte 2027 gemustert, sondern bereits jetzt. Viele junge Personen in Schleswig-Holstein haben Einladungs-Briefe bekommen, die (ohne rechtiche Grundlage zum jetzigen Zeitpunkt) den Eindruck erwecken, es handele sich um eine verpflichtende Musterung. Viele, die den Brief bekommen haben, haben bei der Abfrage beim ersten Brief (Anfang des Jahres) überall konsequent 0 angegeben, also keinerlei Interesse an der Bundeswehr.

In Kiel haben junge Menschen, die in der Bewegung gegen die Wehrpflicht aktiv sind, als Reaktion darauf kurzfristig einen Info-Stand in direkter Nähe zum Karrierecenter der Bundeswehr in Kiel durchgeführt. Das Karrierecenter in Kiel ist zuständig für das gesamte Bundesland. Er ging auch darum, erste Erfahrungen zu sammeln: Wie viele Leute kommen in welchem Abstand zu der Musterung? Ist es möglich, an dem Ort einen Info-Stand anzumelden? Wie reagieren die Betroffenen, die dort zur (noch nicht verpflichtenden) Musterung kamen. Wie waren die Gespräche mit ihnen? Wurden eventuell nur Leute eingeladen, die 0 angekreuzt haben?

Die Anmeldung übers Ordnungsamt lief problemlos. Die Straße direkt vor dem Karrierecenter und der Parkplatz gehören dem Verteidigungsministerium. Wir haben den Stand angemeldet an der Straßenecke, an der alle Betroffenen vorbeikommen. Vom Karrierecenter kam jemand raus, der die Erlaubnis sehen wollte, ansonsten gab es keine Behelligung durch den kommunalen Ordnungsdienst, geschweige denn von den Feldjägern.

Die Musterung ging um 7 Uhr los. Ab 6:15 war der Info-Stand aufgebaut, mit Anti-Wehrpflicht-Stickern und -Flyern und Infos der DFG-VK zur Kriegsdienstverweigerung. Ein Schild mit „Wehrpflicht-Beratung“ wurde aufgestellt.

Die Zeit-Slots in den Einladungen hatten offensichtlich einen halbstündigen Takt (vielleicht auch einen ganzstündigen?). Ca. die Hälfte kamen mit dem Auto oder sie wurden gebracht und hielten hundert Meter weg auf Bundeswehrgelände. Am Stand vorbeikommende sieben Leute führten kurze Gespräche am Infostand, in der Regel etwa 5 Minuten. Alle hatten konsequent 0 (also keinerlei Interesse an der Bundeswehr) angekreuzt in der Abfrage. Alle dachten, es könnte eine Strafe geben, wenn sie nicht kommen, so raffiniert waren die Briefe formuliert worden. Zwei hatten bereits zuvor mit der DFG-VK Kontakt aufgenommen. Eine Person war aus Kiel und hatte Interesse am Schulstreik. Die anderen kamen aus anderen Gegenden in Schleswig-Holstein. Sie konnten über die DFG-VK-Beratung zur Kriegsdienstverweigerung informiert werden.

Jemand, der die vorgezogene Musterung probeweise mitgemacht hat, berichtete uns, dass die Betroffenen alle "keinen Bock" hatten. Bei der Musterung wurde folgendes gemacht: Wiegen, Messen, Urinprobe, Gelenke inspiziert, Blutdruck und Pulsmessung (vor und nach 20 Kniebeugen), Hoden und Rektum inspiziert/abgetastet, gesundheitsbezogene Fragen gestellt (Krankheitsgeschichte etc.), Test am Computer in Bezug auf Reaktion/Logik/Mathe. Befragung hinsichtlich Holocaust-Leugnung/Frauenrechte/Ausländerrechte/Mitgliedschaft in verfassungsfeindlichen Gruppen. Bereitschaft zum Kriegsdienst an der Waffe und für Auslandseinsätze. Jeder Vorgang dauerte ca. 4 Stunden.